Umtausch von Valsartan-Präparaten

Ersatzpräparat nur mit Rezept

Verunsicherte Patienten konsultieren bereits ihre Hausärzte. Grund dafür: Sie nehmen den Blutdrucksenker Valsartan. Chargen des Präparats sind verunreinigt und werden derzeit zurückgerufen. Wie können Ärzte reagieren, wenn Patienten ihre Packung umtauschen wollen?

Bonn. Die Behörden wollen Blutdrucksenker, die auf dem Wirkstoff Valsartan basieren, teilweise zurückrufen. Die Arzneimittel könnten mit einer potenziell krebserregenden Substanz verunreinigt sein. Konkret geht es laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) um Medikamentenchargen, deren Wirkstoff vom chinesischen Unternehmen Zhejiang Huahai Pharmaceutical hergestellt wurde. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft hat zusammengestellt, welche Chargen von welchen Präparaten und Herstellern betroffen sind.

Das BfArM warnt Patienten davor, die Medikamente ohne Rücksprache mit dem Arzt einfach abzusetzen. Denn das gesundheitliche Risiko des Einnahmestopps liege höher als das Risiko durch die Verunreinigung, so die Behörde. Seit Donnerstag (5. Juli) rufen immer mehr Patienten bei ihren Hausärzten an, da sie ihre betroffenen Packungen umtauschen wollen, die Apotheken dafür aber ein ärztliches Rezept verlangen.

Ersatzpräparat nur auf Rezept

Auch der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein zufolge ist das der richtige Weg: "Für Ersatzpräparate müssen neue Rezepte ausgestellt werden", teilt sie mit. Sie rät Ärzten, lediglich den Wirkstoff zu verordnen. Alternativ könnten sie auch ein nicht betroffenes Produkt verschreiben und hierbei den Austausch zulassen - also kein Kreuz bei "aut idem" setzen. Nach bisherigem Stand sind keine Verunreinigungen bei Valsartan Dura, Valsacor oder Diovan/Provas festgestellt worden.

Laut KV Nordrhein darf auf dem Rezept nicht "Duplikat" oder "Zweitschrift" stehen, weil Apotheken diese dann nicht bearbeiten können. Der Hinweis "Verordnung wegen aktuellem Arzneimittelrückruf" sei zwar möglich aber unnötig. Ärzte sollten aber die erneute Verordnung in der Patientenakte dokumentieren.

Darüber hinaus kommt natürlich auch eine Umstellung des Patienten auf ein anderes Präparat infrage. Wie bei jeder Umstellung sollten Ärzte und Patienten dabei aber natürlich die individuelle Situation, Risikofaktoren und Komorbiditäten des Patienten sowie Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen betrachten. Im Falle Valsartan könnte dabei auch ein weiteres Argument berücksichtigt werden, das die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie vergangenen Herbst in die Diskussion eingebracht hat. Sie wies darauf hin, dass die zunehmende Verordnung von valsartanhaltigen Arzneimitteln die Qualität des Trinkwassers verschlechtern kann. Da ausgeschiedene Rückstände kaum abgebaut werden können, dadurch werde in Oberflächengewässern eine steigende Menge von Valsartansäure gemessen.

"Kein akutes Patientenrisiko"

"Bislang liegen noch keine Erkenntnisse darüber vor, ob und in welchen Konzentrationen die Verunreinigung in den hieraus hergestellten Arzneimitteln enthalten ist", sagte Institutssprecher Maik Pommer am Donnerstag (5. Juli) in Bonn. Valsartan sei relativ weit verbreitet. Aber: "Ein akutes Patientenrisiko besteht nicht."

Laut BfArM ist der blutdrucksenkende Wirkstoff produktionsbedingt mit N-Nitrosodimethylamin verunreinigt. Die Substanz könnte laut der Internationalen Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) krebserregend sein. Europaweit werde nun untersucht, ob möglicherweise andere Arzneimittel betroffen sein könnten, die chemisch verwandte Wirkstoffe enthalten.

Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt verunsicherten Patienten, ihre blutdrucksenkenden Arzneimittel nicht eigenmächtig und ohne Rücksprache mit ihrem Arzt abzusetzen. "Wir gehen davon aus, dass sehr rasch die Liste der betroffenen Medikamente vorliegen wird und eine koordinierte Rückrufaktion erfolgen wird", teilte die Organisation in Heidelberg mit. Auch das Bundesinstitut warnte: "Das gesundheitliche Risiko eines Absetzens liegt um ein Vielfaches höher als das mögliche Risiko durch eine Verunreinigung."

Vom Rückruf betroffen sind rund 85.000 Versicherte der Barmer, teilte die Krankenkasse am Mittwoch (11. Juli) mit. Sie werde für Ihre Versicherten sowohl die Kosten für Alternativpräparate als auch für gegebenenfalls nötige Zuzahlungen übernehmen, kündigte die Barmer an.

(dpa/jvb)